Ein wahrer Schatz für die Gesundheit
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24 Teilnehmer unternahmen Exkursion nach Tengling unter dem Thema „Heimisches Bio-Leinöl“
Artikel von Anneliese Caruso, Südostbayerische Rundschau vom 04.07.2026
Waging am See. 24 Teilnehmer machten sich kürzlich auf den Weg nach Assing bei Tengling, um ein Bio Leinfeld in voller Blüte zu erleben. Schon die gemeinsame Anfahrt über den schmalen Weg zum Feld verlieh dem Ausflug eine besondere Stimmung, fast wie eine kleine Reise zurück in eine ruhigere, ländliche Zeit, und ließ die Gruppe gut gelaunt am Ziel ankommen.
Auf dem Feld öffnete sich ein beeindruckendes Farbspiel: ein Meer aus zartblauen Leinblüten, durchzogen von gelben Flecken des Leindotters, einer ebenso alten wie wertvollen Ölpflanze. Demeter Biobauer Franz Obermeyer, der das Gemenge anbaut, hatte Mitte April ein Gemisch aus 60 Kilogramm Leinsamen und drei Kilogramm Leindottersamen ausgebracht. Der Leindotter dient dabei als natürliche Rückversicherung: Er gedeiht besonders dann, wenn der Lein unter Trockenheit leidet, ein Problem, das Sommerkulturen zunehmend herausfordert.
Zwischen den Blütenreihen erklärte Obermeyer die Besonderheiten des Anbaus. Der hier gezeigte Öl Lein unterscheidet sich deutlich von den früher verbreiteten Faserleinsorten, aus denen Leinen hergestellt wurde. Die Erträge im Demeter Anbau liegen zwischen 600 Kilogramm und rund 1,2 Tonnen und damit weniger als im konventionellen Anbau, dafür aber frei von chemischer Belastung. Die Mischung mit Leindotter reduziert den Beikraut-Druck, beide Kulturen reifen in etwa zum gleichen Zeitpunkt und lassen sich später gut trennen. Geduldig beantwortete der Biobauer die vielen Fragen zu Fruchtfolge, Anbau und den Herausforderungen des Öl Leinanbaus.
Vom Feld in die Flasche: Verkostung im Schuppen
Nach dem Rundgang wartete im Schuppen seines Anwesens an der Dorfstraße in Tengling ein weiterer Höhepunkt: eine vergleichende Verkostung von Leinöl und Leindotteröl. Ölmüller Hans Niedl, Betreiber der Chiemgauer Ölmühle, stellte seine Arbeit vor. Er verarbeitet ausschließlich Demeter Saaten aus der Region: Lein, Leindotter, Hanf, Senf und seit Kurzem auch Raps von Hans Posch aus Nußdorf. Seine Öle werden besonders schonend kaltgepresst, ohne chemische Raffination, die zwar höhere Erträge, aber deutlich weniger Qualität bringt. Kaltgepresste Bio Öle sind damit qualitativ in keiner Weise mit konventionell raffinierten Ölen vergleichbar. Niedl erläuterte auch die Eigenschaften der diversen Öle, deren Verwendung in der Küche, die richtige Lagerung, Haltbarkeit und die jeweiligen Fettsäuremuster.
„Lein, auch als Flachs bekannt, zählt zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit und wird bereits seit der Steinzeit angebaut. Das frisch gepresste Leinöl zeigt sich in einem warmen Goldton und überzeugt mit einem feinen, leicht nussigen Aroma“, erklärte er zum Bio-Leinöl. In der Küche eigne es sich ausschließlich für kalte Speisen, für Salate, Dips oder Müslis ebenso wie zum behutsamen Verfeinern bereits gekochter Gerichte. Damit seine wertvollen Inhaltsstoffe erhalten bleiben, sollte Leinöl stets kühl und dunkel gelagert und nach dem Öffnen innerhalb von zwei bis drei Monaten verbraucht werden. Das hier verkostete Öl stammt aus der Chiemgauer Ölmühle in Nußdorf und trägt das Demeter Siegel für höchste biologisch dynamische Qualität.
Leinöl beeindruckt mit einem Omega 3 Gehalt von rund 60 Prozent. Es ist ein echter Gesundheitsbooster, zugleich aber empfindlich. Leindotteröl enthält etwas weniger Omega 3 Fettsäuren, dafür viel Vitamin E und eignet sich hervorragend für Salate. Senföl ist gut erhitzbar und bringt eine feine, milde Würze mit. Und hochwertiges kaltgepresstes Rapsöl steht dem Olivenöl in puncto Gesundheit in nichts nach. Ein Tipp, der viele überraschte: Die berühmte Budwig Kombination – Leinöl mit frischem Topfen cremig verrührt – gilt als besonders wertvoll für den Körper und schmeckt etwa zu Pellkartoffeln hervorragend.
Ölmüller Niedl brachte es auf den Punkt: „Wer beim Speiseöl spart, spart an der eigenen Gesundheit!“ Hochwertige Öle in kleinen Mengen seien sinnvoller als große Flaschen raffinierter, geschmacksneutraler Produkte. Der Bioanbau verzichtet vollständig auf Insektizide – ein Vorteil für Mensch und Natur, aber auch ein Grund für geringere Erträge, da Schädlinge wie der Rapsglanzkäfer gerne zugreifen. Bei der anschließenden Verkostung entwickelte sich ein reger Austausch. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer probierten, verglichen, diskutierten – und nahmen am Ende nicht nur neue Geschmacksnoten, sondern auch ein tieferes Verständnis für die Bedeutung regionaler Ölsaaten mit nach Hause.
Veranstaltungsreihe „Bio-Erlebnisse“
Die Veranstaltung war Teil der Reihe „Bio Erlebnisse“, einer Kooperation der Touristinfo Waging am See und der Ökomodellregion Waginger See–Rupertiwinkel. Ihr Ziel ist es, Menschen für regionale Landwirtschaft, handwerkliche Lebensmittelproduktion und den Wert heimischer Bio Produkte zu begeistern. Die Exkursion machte eindrucksvoll sichtbar, wie viel Wissen, Sorgfalt und Natur in einem einzigen Tropfen heimischen Bio Leinöls steckt – und wie wichtig es ist, diese Schätze vor der eigenen Haustür sichtbar und erlebbar zu machen.
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