Frontansicht des Laufener Rathauses - © Harald Wessner, Stadt Laufen

Bio-Genussradltour durch die Ökomodellregion begeistert Teilnehmer

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Mit Rückenwind zu regionalen Schätzen
Artikel von Anneliese Caruso
Taching/ Otting/ Stein. Regionale Lebensmittel dort kennenlernen, wo sie entstehen: Diese Gelegenheit nutzten rund 80 Teilnehmer bei der Bio-Genussradltour der Ökomodellregion Waginger See-Rupertiwinkel. Eingebettet in die 15. Waginger See-Genusswochen führte die Tour zu ausgewählten Bio-Betrieben der Region. Sie zeigte eindrucksvoll, wie eng Landwirtschaft, Verarbeitung, Vermarktung und Genuss in der Region miteinander verflochten sind, und brachte die Menschen hinter den Produkten direkt mit den Verbrauchern ins Gespräch.

Zum Moierhof mit Schmankerl-Stadl

Nach der Begrüßung durch Marlene Berger-Stöckl, Managerin der Ökomodellregion, machte sich die Gruppe am Strandbad Taching auf den Weg. Erster Halt war der „Moierhof“ von Johann und Sabine Mayer in Rambicheln. Der familiengeführte Naturland-Betrieb bewirtschaftet rund 30 Hektar Fläche und setzt seit der Umstellung auf ökologischen Landbau im Jahr 2016 konsequent auf regionale Kreisläufe: Die Milch wird an die Andechser Molkerei geliefert, ein Teil davon wird durch eine regionale Hofkäserei zu Bio-Käse veredelt. Aufmerksamkeit zog der 2024 eröffnete Selbstbedienungs-Hofladen „Schmankerl Stadl“ auf sich, in dem sich eine Milchtankstelle für frische Biomilch befindet. Dort werden auch Bio-Weidefleisch vom Hof in bedarfsgerechten Mengen sowie Produkte aus dem regionalen Umfeld direkt vermarktet. Kunden können sowohl kleinere Portionen als auch individuell zusammengestellte Bestellungen erwerben. „Vorbestellungen nach persönlichen Wünschen und Größen sind jederzeit möglich.“ Bei einem Rundgang zu den Weiden der Jungtiere, die von April bis Oktober im Freien grasen, sprach Bäuerin Sabine Mayer über die Verantwortung gegenüber ihren Tieren und die Bedeutung einer guten Tiergesundheit. Auf einem Biohof stehe das Wohl der Tiere an erster Stelle. „Ich möchte meinen Tieren mit gutem Gewissen in die Augen schauen können“, erklärte die Bäuerin.  Zum Abschluss der Hofführung lud die Familie Mayer zu einer Verkostung ein. Am reich gedeckten Probierbuffet konnten die Radfahrer hofeigene Rindersalami, Käse und Joghurtsorten der Partnermolkerei genießen.

Von der Bio-Milchtankstelle zu den Mutterkühen in Hucking

Der benachbarte Heinrichhof ist der Nebenerwerbsbetrieb von Andreas und Kerstin Mayer in Hucking und wurde 2023 auf biologische Bewirtschaftung umgestellt. Bei einem Glas Streuobstsaft erfuhren die Besucher, wie das Ehepaar den Hof nach der Übernahme im Jahr 2015 grundlegend neu ausrichtete. Schritt für Schritt wandelten sie den ehemaligen arbeitsintensiven Milchviehbetrieb mit Anbindehaltung in eine nachhaltig und naturnah geführte Mutterkuhhaltung mit Laufstall, Weidegang und Direktvermarktung des eigenen Bio-Rindfleisches in Mischpaketen ab Hof um. Mit viel Eigenleistung verwandelte Andreas Mayer den früheren Anbindestall unter Verwendung wiederverwertbarer Materialien nahezu vollständig in einen modernen Laufstall mit ständigem Zugang zur Weide. Seither prägen ihr Leitgedanke „Rindfleisch aus Mutterkuhhaltung mit Herz“ und permakulturelle Grundprinzipien die Arbeit am Hof. Bei einem Rundgang über die Weiden erläuterten Kerstin und Andreas Mayer ihre Philosophie eines ursprünglichen Umgangs mit Tier und Natur im Kreislauf. Dazu gehören etwa der Schädling-Nützling-Gedanke, Kenntnisse des Low Stress Stockmanship (stressfreie Herdenführung), die Bedeutung der Mutterkuh-Kalb-Bindung sowie die Familienrangordnung und Aufgaben der Tiere innerhalb der Herde, in der auch ein Stier mitläuft. Auf den hofnahen Flächen grasen heute rund 20 Rinder, darunter Fleckvieh sowie Fleckvieh-Fleischrinder mit Anteilen der Rassen Limousin und Angus. Diese Kreuzungen sorgen ebenso wie die Fütterung ausschließlich mit Mutterkuhmilch bis zum Alter von zehn Monaten sowie ergänzend mit Gras, Silage und Heu für eine hohe Fleischqualität. Gleichzeitig gelten die Tiere als besonders robust und anpassungsfähig.
Die Schlachtung und Verarbeitung übernimmt die Metzgerei Spitzauer in Fridolfing. „Ein Tier wird nur geschlachtet, wenn das Fleisch auch gebraucht wird, also wenn es zu 90 Prozent vorbestellt ist“, erläuterten die Hofbetreiber. Dahinter steht auch das sogenannte „Nose-to-Tail“-Prinzip, „von der Nasenspitze bis zum Schwanz“, das eine möglichst vollständige Verwertung des Tieres anstrebt und einen achtsamen sowie nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln fördert.
Darüber hinaus gewährte Kerstin Mayer Einblicke in den nach Permakultur-Prinzipien angelegten Selbstversorgergarten. Hier wachsen Gemüse, Kräuter, Blumen und Beerenobst in vielfältigen Mischkulturen nebeneinander. Im Mittelpunkt stehen natürliche Kreisläufe, samenfeste Freiland-Gemüsekulturen und ein lebendiger, dauerhaft gemulchter Boden nach dem No-Dig-Prinzip (ohne Umgraben) sowie die Förderung von Insekten und anderen Nützlingen, etwa durch Wintergemüsekulturen, ausgereifte Gemüsesamenstände und Totholzstrukturen wie Benjeshecken.
Auch für Gäste bietet der Heinrichhof besondere Möglichkeiten: Auf autarken Campingstellplätzen können Besucher die Ruhe der Landschaft genießen, den Hofalltag unmittelbar miterleben und das permakulturelle Grundprinzip hautnah erfahren.
Einen zukunftsweisenden Ansatz verfolgt die Familie zudem mit einem Wasser-Retentionsprojekt nach den Grundsätzen des Keyline Designs. Ein entlang eines Weidehangs angelegter Graben hält Niederschlagswasser zurück, verteilt es entlang der Höhenlinie und ermöglicht dessen langsame, flächige Versickerung im Boden. Gemeinsam mit einer Reihe heimischer Streuobstbäume auf dem begleitenden Erdwall wird das Wasser zusätzlich entlang der Wurzelkanäle gezielt in tiefere Bodenschichten geleitet. Dadurch können die Grundwasservorräte gestärkt und die Flächen besser an längere Trockenperioden sowie zunehmend häufigere Starkregenereignisse angepasst werden, wovon langfristig auch die unterhalb gelegenen Häuser profitieren.

Biorind vom Pimperlhof

Die nächste Station führte die Radfahrer zum Gasthaus Oberwirt in Otting. Wirt Heinrich Thaler bezieht sein Rindfleisch vom oberhalb des Waginger Sees gelegenen Pimperlhof, auf dem seine Tochter Sabine und ihr Mann Korbinian Danzl rund 19 Hektar Grünland und 14 Hektar Wald nach Biokreisgrundsätzen bewirtschaften. Die artenreichen Wiesen dienen sowohl der Gewinnung von Bio-Pferdeheu als auch einer naturnahen Rindermast. Die Pinzgauer- und Fleckviehkälber kauft der Hof bisher von Bio-Milchviehbetrieben zu. Die Tiere wachsen langsam heran und werden im Alter von zweieinhalb bis drei Jahren geschlachtet. Ein Großteil des Rindfleisches wird im familieneigenen Gasthaus verarbeitet. Traditionsgerichte auf der Speisekarte zeigen, dass die Familien großen Wert auf die möglichst vollständige Verwertung der Tiere legen.
Anschließend durften sich die Teilnehmer mit Ochsengulasch vom hofeigenen Bio-Weideochsen oder Kaspressknödeln aus Zutaten heimischer Bio-Erzeuger stärken. Damit wurde für die Gäste unmittelbar erlebbar, wie aus heimischen Rohstoffen hochwertige Lebensmittel entstehen und auf kurzem Weg zurück auf den Teller gelangen.

Bunte Vielfalt auf dem Steffelhof

Wagings Bürgermeister Martin Dandl und Tourismuschefin Eva Bernauer stimmten die Teilnehmer mit einem kurzen Grußwort auf die zweite Hälfte der Tour ein. Auf dem nahen Steffelhof in Tettelham stellten Barbara und Christian Pflug anschließend ihren noch jungen Naturland-Betrieb vor. Vor gut zwei Jahren begannen die beiden, rund um ihren Hof Bio-Gemüse und einjährige Bio-Schnittblumen anzubauen. Dabei setzen sie auf vielfältige Fruchtfolgen, Mischkulturen, natürliche Düngung und den konsequenten Verzicht auf synthetische Pflanzenschutzmittel.
Am Rande des farbenprächtigen Schnittblumenfeldes am Fuße der Kirche St. Anna erläuterte Barbara Pflug die Bedeutung eines lebendigen Bodens, von Nützlingen und einer ressourcenschonenden Bewässerung mittels einer Regenwasserzisterne. Dort blühten Nigella, Dahlien, Strohblumen, Zinnien, Schafgarben, Amaranth, Strandflieder, Sonnenblumen und Fontänengras um die Wette, umschwärmt von Insekten wie der schwarzblauen Holzbiene. „Wir ziehen alle Pflanzen selbst aus Samen, was oft nicht ganz einfach ist“, erzählte sie. Das Blumenfeld versorgt auch Blumenläden mit heimischen Bio-Schnittblumen. Darüber hinaus können Kunden die Blumen selbst schneiden, die vom Frühsommer bis in den Herbst hinein für ein abwechslungsreiches Bild sorgen.
Neben den Blumen gedeiht auf den Feldern und in den von Obstbäumen umgebenen Gartenbeeten eine große Vielfalt an Bio-Gemüse, darunter Kartoffeln, Kürbisse, Karotten, Zucchini, Gurken, Lauch, Sellerie, Paprika und Rote Bete in unterschiedlichsten Ausprägungen, die die Vielfalt alter und neuer Sorten veranschaulicht. Vermarktet werden die Erzeugnisse direkt ab Hof sowie über den Dorfladen in Taching.
Während die Besucher Kürbis-Quiche, Kürbiskuchen oder knackfrische Paprikastreifen genossen, gab die gelernte Landschaftsplanerin ihr umfangreiches Wissen über den ökologischen Gemüse- und Schnittblumenanbau weiter. Besonders stolz zeigte sie sich auf die Paprikasorte „Resi“, die sich als ausgesprochen wetterfest erwiesen habe. Die Station zeigte eindrucksvoll, wie mit Fachwissen und Kreativität auf vergleichsweise kleiner Fläche eine artenreiche und nachhaltige Landwirtschaft gedeihen kann.

Möglichst alles in der Region vermarkten – der Obernhof in Niedling

Anschließend wurden die Teilnehmer auf dem Hof von Melanie und Matthias Starzer in Niedling bei Traunwalchen herzlich empfangen. Der Familienbetrieb zählt zu den Pionieren der Bio-Heumilch-Erzeugung in der Region. Bereits seit 2007 werden die Milchkühe ausschließlich mit frischem Gras und Heu gefüttert. Auf Silage wird konsequent verzichtet. Ein bedeutender Meilenstein wurde Ende vergangenen Jahres erreicht: Seitdem wird die Bio-Heumilch des Betriebs von der Andechser Molkerei gesondert erfasst und vermarktet. Aus ihr entstehen hochwertige Produkte wie Heumilch, Naturjoghurt, Bergkäse und Emmentaler, die in Bio-Fachgeschäften und ausgewählten Supermärkten erhältlich sind. Für die Familie ist dies die verdiente Anerkennung ihres jahrzehntelangen Einsatzes für Tierwohl, Nachhaltigkeit und höchste Produktqualität.
Herzstück des Betriebs ist eine moderne Heubergehalle mit innovativer Belüftungstechnik. Dort wird das geerntete Gras schonend getrocknet, sodass möglichst viele wertvolle Nährstoffe erhalten bleiben. Dadurch verbessert sich nicht nur die Futterqualität, sondern zugleich sinkt die Abhängigkeit von stabilen Wetterverhältnissen während der Ernte. Neben der Heumilchproduktion baut die Familie auch Getreide an, das in der Region weiterverarbeitet wird. Aus Dinkel, Weizen und Roggen entstehen in einer Biobäckerei in Chieming hochwertige Brote und Backwaren. Darüber hinaus werden Eier von den hofeigenen Hühnern sowie Fleisch- und Wurstwaren aus eigener Erzeugung direkt vermarktet.
Zweimal jährlich verkauft die Familie Fleisch von Färsen und Schweinen unmittelbar an ihre Kunden. Geschlachtet wird dabei erst, wenn das Biofleisch vorbestellt ist. Ergänzt wird das Angebot durch Kartoffeln aus eigenem Anbau, die nach der Ernte auf dem Hof auch eingelagert werden können.
„Wir lassen unsere Produkte am liebsten alle in der Region verarbeiten“, erklärte die Familie. Dieser Satz beschreibt die Philosophie des Betriebs treffend: kurze Wege, transparente Produktionsketten und eine starke Verbundenheit mit der Heimat. Unter dem Leitgedanken „Aus Überzeugung zur Schöpfung durch die Artenvielfalt zukunftssicher für die nächste Generation wirtschaften“ setzt die Familie auf eine nachhaltige und verantwortungsbewusste Landwirtschaft, die ökologisches Handeln und regionale Wertschöpfung miteinander verbindet.
Beim abschließenden Austausch bei Kaffee und Kuchen im Stadl berichtete Melanie Starzer, Hofnachfolgerin und Mutter von vier Kindern, von ihrer Motivation und den Herausforderungen des bäuerlichen Alltags. „Uns macht es Freude, alle betrieblichen Schritte auf die Erzeugung hochwertiger Lebensmittel auszurichten.“
Der Besuch machte eindrucksvoll sichtbar, wie viel Fachkompetenz und persönlicher Einsatz hinter hochwertigen regionalen Lebensmitteln stehen und wie vielseitig moderne Bio-Landwirtschaft heute aufgestellt sein kann. Damit solche Betriebe auch künftig bestehen können, braucht es Verbraucherinnen und Verbraucher, die den Wert regionaler Lebensmittel erkennen und bereit sind, die dahinterstehende Arbeit der bäuerlichen Familien angemessen zu honorieren.

Regionale Biobraugerste für´s regionale Biobier

Danach ging es weiter zur Schlossbrauerei Stein, wo Hannes Biller und zwei Kollegen den Radausflüglern eine Führung durch die Brauerei und den Felsenkeller boten. Braumeister Sebastian Lochner betonte, dass die Brauerei schon seit 2014 mit 20 bis 25 Biobauern aus zwei Ökomodellregionen zusammenarbeitet, die auf 75 bis 100 Hektar Fläche Bio-Braugerste für das Unternehmen anbauen. Daraus werden fünf verschiedenen Bio-Biersorten gebraut. Dazu gehören neben der „Waginger See Hoibe“ auch das alkoholfreie Zwickelbier, das es zum Verkosten gab. Für die Ökomodellregion ist die „Waginger See Hoibe“, unter der das regionale Bier teilweise vermarktet wird, ein Musterbeispiel für eine langjährige Wertschöpfungskette, von der sowohl die Erzeugerseite als auch die Verarbeiterseite profitieren.
Am späten Nachmittag führte Radltour-Experte Sepp Rehrl aus Waging die Ausflügler auf ruhigen Nebenstrecken zurück nach Taching am See. Letzter Haltepunkt waren die Windräder der Firma Heidenhain im Sieben-Eichen-Holz, zu denen Sepp Rehrl detaillierte Informationen liefern konnte.

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