Frontansicht des Laufener Rathauses - © Harald Wessner, Stadt Laufen

Der Dorfladen als Mittelpunkt

Wiedereröffnung in Taching am See – Lob von der Ökomodellregion

Artikel von Anneliese Caruso, Südostbayerische Rundschau 24.04.2026

Taching am See. Es war weit mehr als die Wiedereröffnung eines Ladens, es fühlte sich an wie ein Dorffest, das niemand verpassen wollte. Als am vergangenen Freitag der frisch renovierte Dorfladen in Taching am See seine Türen wieder öffnete, strömten die Menschen aus allen Richtungen herbei. Man sah neugierige Blicke, herzliche Umarmungen, spontane Wiedersehensfreude. Und über allem lag ein Gedanke, der unausgesprochen im Raum stand: Dieser Ort wäre ohne Vroni Haslberger nicht derselbe.

Die Trägerin des Bayerischen Verdienstordens, die trotz Rollstuhl mit einer beeindruckenden Mischung aus Humor, Tatkraft und Herzlichkeit ihren Laden führt, hat aus dem kleinen Geschäft längst mehr gemacht als eine Einkaufsmöglichkeit. Es ist ein Treffpunkt, ein Stück gelebte Nachbarschaft und ein liebevoll gepflegtes Schaufenster für die Bio-Produkte der Ökomodellregion Waginger See – Rupertiwinkel, deren Präsentkörbe sie mit Hingabe und in großer Zahl verkauft.

Nach einer kurzen Schließzeit, in der das Geschäft frisch gestrichen, mit neuen Regalen, modernen Kühlgeräten, einer Kaffeemaschine und einem einladenden Tisch ausgestattet wurde, feierte das Dorf die Wiedereröffnung mit Livemusik, herzlichen Gesprächen und einer spürbaren Dankbarkeit, die sich wie ein warmer Faden durch den Nachmittag zog. Der neue Tisch im Laden wurde sofort zum Magneten, ein kleines Symbol für das, was dieser Ort längst ist: ein Stück Heimat, getragen von einer außergewöhnlichen Frau samt ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen.

Weil ein einziger Tisch natürlich nicht ausreichte, stellten Helferinnen und Helfer vor der Ladentür zusätzliche Bänke und Tische auf. Kaum standen sie, waren sie auch schon besetzt. Die Gäste ließen sich Brotzeiten, Kaffee und die vielen gespendeten Kuchen schmecken, tauschten Neuigkeiten aus und ließen sich von den warmen Gitarrenklängen der „Igel River Band“ tragen. Das Trio um Agnes Obermeyer, Hubert Mayer und Christian Liegl, das seine Wurzeln im Tenglinger Ortsteil Igelsbach hat, spielte sich mit bekannten Hits quer durch den Nachmittag und verlieh der Feier eine heitere, fast familiäre Atmosphäre. Es war einer dieser Nachmittage, an denen die Zeit ein wenig langsamer zu laufen scheint.

Zum Gratulieren kamen auch Vertreterinnen der Ökomodellregion vorbei. Unter ihnen Tachings Bürgermeisterin Stefanie Lang, die auch im Namen von Matthias Baderhuber einen bunten Blumenstrauß überreichte. Lang und Baderhuber repräsentieren als Sprecherin und Sprecher die Ökomodellregion Waginger See – Rupertiwinkel. Diese Ökomodellregion ist einer der aktivsten Zusammenschlüsse im Freistaat und steht für eine Landwirtschaft, die Mensch, Tier und Landschaft gleichermaßen im Blick hat, regional, ökologisch und zukunftsorientiert.

Auch Romy Mayer, Mitarbeiterin der Ökomodellregion, gratulierte herzlich zur gelungenen Renovierung und sprach die leicht veränderten Inhaberstrukturen an. Vroni Haslberger hatte den Laden bislang gemeinsam mit ihrem Sohn geführt, der jedoch ausgestiegen ist. Allein bleibt sie dennoch nicht: Künftig unterstützt sie ihr Ehemann Michael Haslberger, der in nächster Zeit in den Ruhestand geht und sich mit spürbarer Freude in den Betrieb einbringen möchte.

Romy Mayer nutzte ihren Besuch, um sichtbar zu machen, welchen Beitrag Vroni Haslberger für die Region leistet. Mit jährlich rund 50 verkauften Geschenkkörberln aus der Ökomodellregion bringt sie vielen Kundinnen und Kunden die Vielfalt regionaler Bio-Produkte näher und stärkt damit die heimische Wertschöpfung.

„Wer ein Ökomodellregions-Körberl bestellt, unterstützt die regionalen Kreisläufe zwischen Landwirten, Verarbeitern und Verbrauchern ebenso wie den umweltfreundlichen, heimischen Ökolandbau“, erklärte Mayer, bevor sie der Ladeninhaberin als Dankeschön ein kleines Präsent überreichte.

Wie sie weiter erläuterte, gibt es in nahezu allen Kommunen der Ökomodellregion Verkaufsstellen, die solche Körberl individuell zusammenstellen. Auf der Internetseite der Ökomodellregion finden Interessierte sowohl die Bezugsquellen und teilnehmenden Läden als auch das breite Warenangebot, aus dem die Geschenkkörbe gefüllt werden können. Damit verschenkt man nicht nur frische, hochwertige Lebensmittel, sondern auch ein Stück gelebte Nachhaltigkeit.

„Die Erzeugnisse stammen bevorzugt aus regionaler und ökologischer Produktion, und jeder Korb besteht mindestens zur Hälfte aus Bio-Produkten. Mit einem Geschenkkorb machen Sie gleich zweimal eine Freude, dem Beschenkten und der Umwelt“, sagte Mayer, ehe sie im Gespräch mit der Tageszeitung einige der Produkte vorstellte, von denen viele aus Taching und Tengling stammen. So brennt etwa Franz Gramminger feine Bio-Brände und stellt Liköre her, während Franz Obermeyer Hülsenfrüchte, Kartoffeln und Lein anbaut, der zu hochwertigem Leinöl verarbeitet wird.

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